Kategorien Kanu-Wandern Weser-Tidenrallye, Nordenham

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  • hochgeladen 6. Juni 2018

https://www.kanu-bremen.de/tidenrally...https://www.weser-kurier.de/region/di... "Kanu-Gemeinschaftsfahrten finden auf der Weser einige statt und jede hat ihren ganz eigenen Charakter, auch die Weser-Tidenrallye. Und doch sticht diese immer in den geraden Jahren vom Landes-Kanu-Verband Bremen organisierte Fahrt (in diesem Jahr am 21. Mai) besonders heraus. Dabei erscheint die Tour in der offiziellen Kurzbeschreibung als sich an Breitensportler richtende Fahrt auf Unterweser und Lesum mit Start in Nordenham und drei Zielen in Bremen noch relativ unspektakulär. Das Interessante jedoch ist, es wird stromauf von Nord nach Süd gepaddelt, und zwar mit dem Gezeitenstrom - niederdeutsch „Tide“. Und wenn man berücksichtigt, dass die Tide am jeweiligen Bezugsort rund alle sechs Stunden ihre Richtung wechselt, dann ergibt das ein von der Natur vorgegebenes Zeitfenster für das Erreichen des jeweils angestrebten Ziels: Silber nach 33 km beim KC Rönnebeck, Gold nach 44 km beim Bootshaus von TURA Bremen und Platin nach 59 km bei den KanuSport-Freunden Bremen kurz oberhalb des Weserstadions. Aufgrund dieser Wettfahrt mit dem Gezeitenstrom ist die Weser-Tidenrallye zumindest in Deutschland, wenn nicht gar weltweit, einzigartig. Die Teilnehmer erhalten unabhängig vom erreichten Ziel alle die gleiche (Gold-)Medaille. Bei der Fahrt 2014 entschieden sich übrigens auch über 60 Prozent der Teilnehmer für das Goldziel. Doch die Rallye ist nicht nur eine Wettfahrt mit dem Gezeitenstrom, sondern zugleich auch eine Reise mit ihm. Bis kurz vor dem Start beim WSV in Nordenham liegt der Hafen nahezu trocken, zum Start gibt es dann für die Teilnehmer genügend Wasser unterm Boot und die Fahrt stromauf kann losgehen. Die Schlickränder an den Ufern verschwinden allmählich und es entfaltet sich eine Besonderheit der Marschen, die schon oft Maler und Fotografen beiderseits der Unterweser in ihren Bann zog und noch immer zieht: Es ist das ständig wechselnde Licht, in dem die Weser-Paddler die Landschaft und den Fluss erleben. Den sportlichen Reiz der Rallye bestimmen vor allem Windrichtung und -stärke. Kommt der Wind aus nördlichen Richtungen, werden die von ihm aufgeworfenen Wellen eher zu gefälligen Begleitern, kommt er aus westlicher, östlicher oder gar südlicher Richtung, steigen die Herausforderungen spürbar an. Eines sollte man als Teilnehmer auch immer vor Augen haben: die Gezeitenströme der Weser sind von gewaltiger Kraft. Auch deshalb werden die Rallye-Paddler von Booten der Wasserschutzpolizei, DLRG und motorisierten Wassersportkameraden begleitet. Aber die Weser-Tidenrallye bietet an insgesamt vier Tagen weit mehr als nur Wettfahrt und Reise mit dem Gezeitenstrom: Die zweitägige Anfahrt von TURA nach Nordenham, das mit der Vorfahrt von Nordenham aus verbundene Fischessen in Brake und nicht zuletzt ein Kulturprogramm, das den Blick auf Land und Leute schärft, machen die anspruchsvolle Tour zu einem besonderen Erlebnis der rund 400 Teilnehmer, zu denen 2014 auch Österreicher und Schweizer zählten." zitiert aus: http://www.kanu.de/home/freizeitsport...

aus Weser-Kurier:

390 Paddler auf dem Weg nach Lesum
Volker Kölling 04.06.20180 Kommentare
Die Teilnehmer der Weser-Tidenrallye kommen sogar bis aus der Schweiz. Aufgabe ist es, 44 Kilometer auf dem Fluss bis zum Tura-Gelände an der Lesum zurückzulegen.

 

 

390 Paddler in 275 Booten gehen an den Start, um von Großensiel nach Lesum zu fahren, mit eigener Kraft, unterstützt nur durch die Tide.
390 Paddler in 275 Booten gehen an den Start, um von Großensiel nach Lesum zu fahren, mit eigener Kraft, unterstützt nur durch die Tide. (Volker Kölling)

Bremen-Nord. Der Weserstrom ist mit ihnen: 390 Paddler in 275 Booten gehen in Nordenham zu einer Zeit an den Start, zu der alle Kielboote im Hafen noch auf Schlick liegen: Um 12.30 Uhr quetscht sich das bunte Feld von Kanus, Kajaks, Seekajaks, Falt-, Zuckersackbooten, Drachen-, Auslegerbooten und sogar zwei Stand-up-Paddlern von Großensiel aus zweimal um die Ecke durch den Kanal, um dann mit der Tidenströmung Richtung Bremen zu fahren.
Eine Stunde vor dem Start ist die Stimmung im Starterlager gedrückt: Es schüttet wie aus Eimern. Wer kann, stiert auf seinem Handy das Regenradar an und hofft auf Wetterbesserung. Viele sind von weit her zu der nur alle zwei Jahre stattfindenden Legende unter den deutschen Kanu-Veranstaltungen an der Küste angereist. Ein Boot kommt gar aus der Schweiz. Es sind Paddler aus Remagen am Rhein dabei. Einige zelten seit Tagen in Nordenham. Der Parkplatz steht voller Autos mit Kanu-Trägern mit Kennzeichen aus Celle, Braunschweig und nun das. „Im Boot werden wir ja sowieso nass unterwegs. Da ist der Regen doch egal“, meint ein baumlanger Vollbartträger mit Schlapphut, der sein Handy in einer orangen Wetterhülle um den Hals trägt. Tatsächlich ist da aber auch die Sicht noch ziemlich mies.
 
 
Michael Felsen ist als Moderator in Nordenham noch so einer, den der Optimismus bei laufender Beschallungsanlage nicht verlässt. Und er soll recht behalten, als der tiefgraue Himmel eine halbe Stunde vor Start ins Hellgraue wechselt. Der Regen hört auf und die ersten Paddler schwärmen aus den Unterständen zu den Booten aus, um sie Richtung Kanusteg zu tragen. Die Laune wird immer besser, auch dank Michael Felsens Sprüche. Kostprobe? „Du suchst dein Paddel. Das ist gut so. Bei einer Veranstaltung wie dieser empfiehlt es sich, möglichst immer ein Paddel bei sich zu haben.“
Uwe Nistahl gratuliert er im live auf dem Platz übertragenen Interview erst einmal zum 59. Geburtstag und dazu, dass er sich selbst die Rallye zum Geschenk gemacht habe. Nistahl dankt zunächst den 60 Helfern in Nordenham, Rönnebeck und in Lesum, den 20 Aktiven vom ständigen Orgateam, den sechs Begleitbooten der DLRG, den vier Mitgliedern der Wasserschutzpolizei und den Helfern des Landesverbandes Motorbootsport Bremen (LMB). Uwe Nistahl hat den Job des Hauptorganisators von Norbert Köhler übernommen. Der Präsident des Landes-Kanu-Verbandes Bremen will nach Jahren als Cheforganisator mit seiner Frau Inge endlich selbst einmal wieder mit die Weser hinaufpaddeln.
Inge Voigt-Köhler geht in Gedanken vor dem Start schon einmal wie viele die beste Starttaktik durch: „Ich habe meinen Mädchen immer geraten, nicht innen in den Kurven zu bleiben, sondern den längeren Weg außen zu fahren. Innen quetschen dich die anderen ein und du verlierst eine Viertelstunde.“ Auf der längeren Außenbahn komme man zudem viel leichter in die Strömung. Der Beginn der Rallye ist also etwas für Taktikfüchse. Einige Dutzend Boote halten sich zurück und am Mittelsteg fest. Sie überlassen den ganz Ehrgeizigen das Gedrängel im Flaschenhals des Startkanals.
Es geht hier nicht um Pokale oder Landesbestenlisten. Aber jeder geht halt doch mit eigenen Vorstellungen an den Start, für welche Zeit es heute reichen sollte. Es ist ein bisschen wie beim Volksmarathon. Den Startton geben Nordenhams stellvertretender Bürgermeister Ulf Riegel (SPD) und Bremens Landessportbund-Präsident Andreas Vroom gleich zwei Mal. Der erste Ton gerät als gar kurzes „Tröt“. Der 79-jährige Peter Predelli aus Worpswede kommt ganz gut raus auf den Fluss, den er bei seinen Dutzend Teilnahmen vorher schon häufig ruppiger erlebt hat: „Allerdings kommt der Wind erst schräg von vorne. Und das auch noch, als wir Brake erreicht haben, wo man sonst eigentlich in der Winddeckung der Silos weiterfährt.“
Nach Brake kommt es aber zur erhofften Wetterbesserung: Auch die Sicht wird deutlich besser, das Wasser zur Spiegelfläche. Ole Vierkötter von der Wasserschutzpolizei begleitet mit seinen Kollegen Birgit Hagemeier und Tim Humm mit dem Polizeiboot „Bremen 15“ wohl zum letzten Mal das größte Teilnehmerfeld einer Weser-Wassersportveranstaltung im Feld. Das Boot soll voraussichtlich verkauft, werden. Wahrscheinlich, weil die Betriebskosten der Kunststoffjacht im Vergleich zu anderen Polizeischiffen zu gering sind, wird in der Szene gelästert. Heute sind viele Paddler auf dem Wasser, die zum ersten Mal auf einer Seeschifffahrtsstraße unterwegs sind. Die Beamten und die anderen Helfer haben alle Hände voll zu tun, Ausreißer immer wieder in die richtigen Bereiche zu scheuchen: Im Fahrwasser ist natürlich die Strömung stärker und es lockt so manche Biegung des Flusses mit Abkürzungsmöglichkeiten.
Die „MS Arkadia“ ist als Bulk Carrier und Tiefgänger das größte Berufsschiff, dem die Flotte der Kleinstboote begegnet. Der junge Mann auf dem Stand-up-Paddel aus Hürth bei Köln versucht die Welle zu surfen und landet prompt zweimal Wasser. Er und sein Vater auf den SUP's werden von den sitzenden Kollegen ziemlich für ihre Steherqualitäten bewundert.
Aber im Ziel sind die beiden nicht die Einzigen mit einem Ziehen im Rücken: Katharina Wolpert ist zum ersten Mal dabei gewesen und feiert ihre Ankunft als größten persönlichen Triumph ihrer sportlichen Karriere. Sie bekommt kaum noch die Arme hoch, ist nach 44 Kilometern nur noch geschafft: „Das hätte ich ohne Sabine Stickelmann an meiner Seite nie durchgehalten. Die hat mich regelmäßig aufgemuntert und mit Elektrolyten versorgt.“
Wolfgang und Ilse Vöge von den Bremer Kanu-Wanderern (BKW) haben die 44 Flusskilometer von Nordenham nach Lesum zum Gelände von Tura Lesum als geübtes Ruderpaar nicht an den Rand ihrer Möglichkeiten gebracht: Aber ihre „Nimbus“ ist auch ein Geschoß aus Karbon und Kevlar und bringt samt Zeltgepäck gerade einmal sechzig Kilo auf die Waage. Der 68-jährige Wolfgang Vöge kennt die letzten Kilometer eigentlich als größte Herausforderung der Weser-Tidenrallye: Wenn man ab den Motzener Werften plötzlich Spundwände auf beiden Seiten hat, die alle Wellen reflektieren: „Aber auch das ging heute ganz gut.“
Gerade einmal drei Stunden und 45 Minuten haben die Vöges gebraucht und schauen mit diesem Ergebnis recht zufrieden drein. Aber im Ziel bei Tura gibt es auch bei einer Ankunft fast zwei Stunden später um 18 Uhr nur noch Sieger. Den letzten Paddlern im Ziel bringt ein Sportkamerad gar ein Tablett Bier bis ans Boot: „Damit bei denen die Kraft schnell wieder für den Ausstieg reicht.“

Standort: 26954 Nordenham, Deutschland
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